Der heimische Weinbau steht vor einer paradoxen Lage. International wächst der Respekt für Sauvignon Blanc, steile Lagen und handwerkliche Qualität – gleichzeitig sinkt weltweit der Verkauf, Wirtshäuser verschwinden und die junge Generation trinkt anders. Der steirischer Wein wappnet sich gegen die Absatzkrise. Für die Steiermark wird Wein damit vom selbstverständlichen Kulturgut zunehmend zum bewusst inszenierten Premiumprodukt.
Dass hierzulande überhaupt Wein wachsen konnte, hat übrigens mit dem Klimawandel zu tun. In der nacheiszeitlichen Warmphase, also vor etwa 10.000 bis 5.000 Jahren, dürfte sich die Weinrebe entlang der Donau nach Nordwesten ausgebreitet haben. Genossen wurde die Weinbeere jedenfalls schon sehr früh. Darauf weisen Funde von Traubenkernen in Gräbern bei Krems und im Traisental hin.
Wie man allerdings den freudenbringenden Saft aus den Beeren keltert, lernte man hierzulande erst von den Römern. Die wussten schon längst, was gut ist, nicht zuletzt, weil ihre griechischen Handelspartner ihnen diesbezüglich die Augen geöffnet hatten. „Wo der Wein fehlt, da stirbt der Reiz der Venus, da ist der Himmel der Menschen wüst und freudlos“, erkannte einst Euripides. Fortan war das Produkt Wein eigentlich ein Selbstläufer. Die Römer brachten den systematischen Weinbau dann im 1. Jahrhundert nach Christus zu uns. Angebaut wurde dort, wo man auch heute noch Weinbaugebiete findet: im Donauraum, im heutigen Weinbaugebiet Carnuntum, rund um den Neusiedler See, im Südburgenland und in der Südsteiermark in der Gegend um Flavia Solva. Dass das überhaupt möglich wurde, verdanken wir Kaiser Marcus Aurelius, der den Erlass seines Vorgängers Domitian, demzufolge nördlich der Alpen kein Wein angebaut werden durfte, ausdrücklich aufhob.
Chemisch gesehen besteht Wein hauptsächlich aus Wasser und Ethylalkohol. Letzterer entsteht bei der Gärung, jenem Vorgang, bei dem der Zucker der Früchte durch Hefepilze oder Bakterien in Alkohol, Wärme und Kohlendioxid umgewandelt wird. Abgesehen von Wasser und Alkohol machen noch Säure, Zucker und etwa 1000 weitere Inhaltsstoffe den Wein zu dem, was er ist: zu einem Entspannungshelfer, Gute-Laune-Macher, einer Suchtsubstanz, einem Genussmittel und Speisenbegleiter – und zu einem Bombengeschäft.
Weltweiter Absatz rückläufig
Eben dieses Business schwächelt gerade. Weltweit geht der Absatz zurück, erstmals seit 60 Jahren wurde 2025 weniger verkauft als im Jahr zuvor. Es ist Jammern auf hohem Niveau, und noch muss sich niemand ernsthaft Gedanken um die Trinkkultur machen. Tatsächlich ist aber schon sehr deutlich zu beobachten, wohin die Reise geht. Die globalen Weinexporte haben 2025 spürbar nachgegeben. Laut einer Analyse von Del Rey/AWM vom 27. März 2026 sank der Wert des internationalen Weinhandels gegenüber 2024 um 6,3 Prozent, das Volumen um 4,7 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Minus von rund 2,26 Milliarden Euro sowie 4,65 Millionen Hektolitern. In Summe erreichte der weltweite Weinhandel damit 2025 noch einen Umsatz von 33,77 Milliarden Euro bei einem Volumen von 94,76 Millionen Hektolitern. Auch die Preise gerieten unter Druck: Der durchschnittliche Literpreis fiel um 1,7 Prozent auf 3,54 Euro. Der Rückgang zog sich durch sämtliche Kategorien. Besonders stark betroffen waren abgefüllte Stillweine in Flaschen. Vergleichsweise stabil zeigte sich hingegen das Segment der Bag-in-Box-Weine, das wertmäßig lediglich um 2 Prozent nachgab.
Heruntergebrochen auf die großen Anbaugebiete der Welt zeigt sich ebenfalls ein deutlich negatives Bild: Laut Del Rey/AWM konnte 2025 keines der 19 führenden Weinexportländer weltweit ein Wertwachstum erzielen. Die drei größten Exportnationen – Frankreich, Italien und Spanien – hielten ihre Rückgänge immerhin unter fünf Prozent. Deutlich stärker traf es hingegen die nachgelagerten Plätze: Australien (–14,7 Prozent) und Chile (–10,7 Prozent) mussten spürbare Einbußen hinnehmen, ebenso Argentinien auf Rang elf mit einem Minus von 12,8 Prozent.
Dramatischer Rückgang in den USA
Besonders drastisch fiel der Rückgang in den USA aus, wo die Exporterlöse um 35,9 Prozent einbrachen. Deutschland, auf Platz sieben, schnitt mit einem Minus von 4,7 Prozent besser ab als der globale Durchschnitt. Vergleichsweise stabil präsentierte sich Neuseeland auf Rang sechs mit einem minimalen Rückgang von 0,4 Prozent. Dort konnte ein deutlicher Einbruch bei Fassweinexporten (–25,2 Mio. Euro) durch steigende Umsätze im Flaschenweinsegment (+19,6 Mio. Euro) nahezu kompensiert werden. Auch Portugal lag mit einem Minus von lediglich einem Prozent über dem Branchenschnitt.
Insgesamt bestätigen die Zahlen laut Del Rey/AWM die strukturellen Herausforderungen der Branche. Der Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt zudem eine klare Korrektur: Nach dem pandemiebedingten Tief von rund 30 Milliarden Euro im Jahr 2020 stieg der globale Weinhandel 2021 auf 34,6 Milliarden Euro und erreichte 2022 mit 37,9 Milliarden Euro seinen bisherigen Höchststand. 2025 liegt er nun wieder auf dem Niveau der Zeit vor diesem Hoch.
Qualität nach wie vor teuer
Kann man also daraus schließen, dass Wein ganz allgemein an Beliebtheit verliert? Natürlich nicht, zumindest nicht nur. Die weltweite Absatzkrise hat viele Ursachen, eine davon ist schlicht Überproduktion. Angebot und Nachfrage passen nicht mehr zusammen, weil die Nachfrage schon vor Jahren ihr Limit erreicht zu haben scheint, die Produktion jedoch munter weiterlief. Kurz: Wein, der selten ist, ist nach wie vor gefragt.
Die teuerste Flasche der Welt, ein Fläschchen Rotwein der Domaine de la Romanée-Conti aus dem Jahr 1945, kostet unter anderem deshalb so viel, weil sie bei herausragender Qualität so selten ist: Nur 600 Flaschen wurden einst von dem legendären Burgunder-Weingut produziert. Der Ruf des Hauses tat ein Übriges zur Preisgestaltung: Um knapp 520.000 Euro wechselte die Flasche im Rahmen einer Auktion im Jahr 2018 den Besitzer. Klar, dieser Wein wird eher gehandelt als getrunken. Romanée-Conti hat aber auch durchaus trinkbare Weine im Angebot, wenngleich die Chance auf ein Schlückchen selbst für Gutbetuchte gering ist: Der Grand Cru 2022 ist für zarte 28.000 Euro im Handel. Mini-Erträge, Kultstatus und globale Nachfrage machen diese Weine zu den teuersten der Welt.
Exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis
Von solchen Preisen kann man in der Steiermark nur träumen. Unsere 2083 Betriebe mit ihren knapp 5096 Hektar Rebfläche sind diesbezüglich etwas geerdeter, obwohl auch in den steirischen Kellern Schätze regionaler Winzerkunst schlummern. Zu deutlich niedrigeren Preisen allerdings: Die Spitzenweine von Tement, Sattlerhof oder Sabathi schlagen mit etwa 130 bis 150 Euro zu Buche und bewegen sich damit in einem Segment, das international für die gebotene Qualität immer noch ein mehr als ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis abbildet. Vergleichbare Weine aus Italien oder Frankreich sind deutlich teurer.
Fast jeder zweite eingereichte steirische Wein wurde prämiert. Damit festigt die Region ihren Ruf auf dem globalen Parkett. Zählt man die neuen CMB-MERIT-Bewertungen (ab 86 Punkten) hinzu, liegt die Quote sogar bei beeindruckenden 95 Prozent.
Gault & Milaut
Vor allem die Sauvignon Blancs heimischer Lagen verschaffen sich bei internationalen Verkostungen immer wieder höchsten Respekt, eine Tatsache, die Stefan Potzinger, selbst Winzer und Obmann der Wein Steiermark, auf eine Stilistik zurückführt, die aus „den steilen Lagen, dem kühlen Klima und der konsequenten Arbeit der Winzerinnen und Winzer“ entsteht. Die Sommeliers bestätigten dieses Urteil jüngst auf der Weinmesse „Sauvignon Selection“ im kroatischen Varaždin. Dort schmeckt unser Wein offenbar: 39 Goldmedaillen errang Österreich und lag damit, wie Gault & Millau berichtet, im internationalen Vergleich sogar vor Frankreich und Italien. In der höchsten Kategorie, dem Grand Gold, habe sich Österreich und damit auch die Steiermark auf Rang drei positioniert, so Gault & Millau. Insgesamt errang die Steiermark 86 Medaillen, davon zwei Grand Gold (Hofmann, Gamlitz, und Sternat, Eichberg), 37 Gold- und 47 Silbermedaillen. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Steiermark international ein exzellentes Standing hat. Gault & Millau formuliert es so: „Mit einer Trefferquote von knapp 50 Prozent – fast jeder zweite eingereichte steirische Wein wurde prämiert – festigt die Region ihren Ruf auf dem globalen Parkett. Zählt man die neuen CMB-MERIT-Bewertungen (ab 86 Punkten) hinzu, liegt die Quote sogar bei beeindruckenden 95 Prozent.“
So viel zum Sauvignon, mit dem in der Steiermark etwa ein Fünftel der Rebfläche, nämlich 902 Hektar, bestockt ist. Der Rest verteilt sich auf Welschriesling, Weißburgunder, Muskateller, Morillon (Chardonnay), Riesling, Blauen Wildbacher und Zweigelt. Was nichts daran ändert, dass die steirischen Winzer den allgemeinen Rückgang trotzdem spüren. Der steirischer Wein wappnet sich gegen die Absatzkrise. Denn Qualität ist die eine Sache, die Masse die andere. Geschäft macht man mit beidem, wiewohl sich der steirische Wein im Vergleich mit anderen Weinbaugebieten durch eher geringe Erträge auszeichnet. Nur rund 4650 Liter pro Hektar lassen sich erwirtschaften – für das Massengeschäft zu wenig. Zumal auch die Betriebsgrößen mit durchschnittlich 4,47 Hektar pro Betrieb (Südsteiermark DAC), 1,37 Hektar pro Betrieb (Vulkanland DAC) und 2,55 Hektar pro Betrieb (Weststeiermark DAC) eher klein ausfallen.
Schwieriger Massenmarkt
Wer nicht Trauben zukauft, hat kaum eine Chance, den Massenmarkt bedienen zu können. Die strengen Herkunfts- und Qualitätsbezeichnungen, die seit dem Weinskandal in den 1980ern den Erfolg österreichischen Weins begründet haben, lassen eine Vermarktung mit zugekauften Trauben auch nur in sehr engen Grenzen zu.
Apropos Massenmarkt: Wie viel steirischen Wein etwa Spar absetzt, ist aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht ablesbar. Aus der Tatsache, dass Spar Österreich ein eigenes Weingut unterhält, lässt sich aber sagen: Wenig wird es nicht sein. 15,5 Millionen Flaschen verlassen pro Jahr die Spar-eigene Produktionsstätte in Fels am Wagram, ein guter Teil ist bei Spar selbst gelistet – neben etwa 4000 Weinen aus aller Welt, davon 1300 aus Österreich. Insgesamt schätzt man den Umsatzanteil von Wein im Lebensmitteleinzelhandel auf etwa zwei bis vier Prozent.
Den weltweiten Absatzrückgang spüren also nicht nur die Winzer, sondern auch der Handel. Der tut sich schwer mit dem neuen Zugang zu Wein und Alkohol. Seit Corona hat sich das Trinkverhalten nämlich verändert – messbar und deutlich. Das Schließen von Wirtshäusern, Bars und Restaurants war eine Zäsur, die bis heute nachwirkt. Diese Maßnahme hat einen Trend verstärkt, der schon in den Jahren zuvor zu spüren war und unmittelbare Auswirkungen auf den Weinabsatz hat: das Wirtshaussterben.
Wirtshaussterben spürbar
Während die Gesamtzahl der gastronomischen Betriebe gleich geblieben oder leicht gewachsen ist, verschiebt sich die Art des Gewerbes: Wo früher das gepflegte Landgasthaus dominierte, sind es heute urbane Bars, gestylte Clubs und Kebab-Buden in den Ballungsräumen, die das gastronomische Selbstverständnis der Bevölkerung prägen.
Das Wirtshaus war über Jahrzehnte mehr als ein Ort der Verpflegung. Es war sozialer Raum, Ritual und Distributionskanal zugleich – und damit eine der zentralen Bühnen für den Weinkonsum in Österreich. Genau dieser Raum bricht nun weg. Die Zahlen sind eindeutig: Seit den 1980er-Jahren hat sich die Zahl der klassischen Gasthäuser nahezu halbiert. Während es damals noch rund 15.000 Betriebe gab, sind es heute nur mehr etwa 5600. Allein in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Wirtshäuser um rund ein Fünftel zurückgegangen. Parallel dazu schließen im Schnitt etwa 50 Betriebe pro Jahr.
Probleme hausgemacht
Das ist schlecht für den Wein, denn er ist historisch stark ans Wirtshaus gebunden. Das schnelle Achterl zu Mittag, die Selbstverständlichkeit von Wein als Speisenbegleiter, die Freude an einer gewissen Glas- und Trinkkultur – all das schwindet, wenn die Gelegenheit fehlt. Und die fehlt zunehmend. Hinzu kommt: Wein ist ein eher hochpreisiges Produkt. Und das tut sich umso schwerer in einer Branche, die ihre Preise so gestaltet, dass sie als einer der Hauptinflationstreiber gelten muss.
Es ist eine Frage der richtigen Positionierung und des Marketings. Wir haben nicht die Sorge, dass wir auf unserer Ernte sitzen bleiben – der weltweite Rückgang des Absatzes betrifft uns kaum.
Stefan Potzinger
Auch das belegt die Statistik: Wie sich Konsumgewohnheiten grundsätzlich ändern, zeigt sich in der Gastronomie besonders deutlich. Die Menschen geben anteilig deutlich weniger aus als noch vor fünf Jahren. „Konkret ist das relative Gewicht im Warenkorb um etwa zwölf Prozent gesunken, nämlich von 10,8 Prozent im Jahr 2020 auf nur noch 9,5 Prozent im Vorjahr. Allerdings sind die Preise für Bewirtung in diesem Zeitraum auch überdurchschnittlich emporgeschossen. Wegen der Inflationswelle ab 2022 sind die Verbraucherpreise hierzulande im Dezember des Vorjahres verglichen mit 2020 um 29,8 Prozent gestiegen, gleichzeitig müssen die Menschen für Restaurantbesuche allerdings um 45,6 Prozent tiefer in die Tasche greifen. Gleich hohe Einkommenssteigerungen haben im selben Zeitraum wohl nur die wenigsten Menschen in Österreich erfahren“, fasst es Standard-Autor Alexander Hahn in seiner Bestandsaufnahme im Februar dieses Jahres zusammen. Die Gastronomie indessen sieht sich gezwungen, ihre Preise so hoch zu halten. Ihre Preissteigerungen würden direkt mit den Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln korrelieren, verlautet der Fachverband Gastronomie.
Gen Z trinkt anders
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wein im Wirtshaus wird deutlich teurer – wenn es überhaupt noch Gelegenheit gibt, ihn dort zu konsumieren. Das ist schlecht, weil die Gastro, wie die Österreichische Wein Marketing bestätigt, einer der wichtigsten Vertriebskanäle ist und immer noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht hat. Das sind also sieben Jahre Stagnation in Folge.
In dieser Perspektive wird das Wirtshaussterben zu weit mehr als einer gastronomischen Randnotiz. Es markiert den Verlust eines Systems, das den Weinkonsum über Jahrzehnte getragen hat. Und es zwingt die Branche zu einer fundamentalen Neuorientierung: weg vom selbstverständlichen Alltagsprodukt, hin zu einem bewusst inszenierten Genussmittel.
Diese Inszenierung ist auch aus einem anderen Blickwinkel dringend nötig. Denn der Konsumentennachwuchs, die Gen Z, hat einen eigenen Zugang zu Wein gefunden: Sie trinkt ihn nicht mehr selbstverständlich. Studien der Gesundheit Österreich GmbH zeigen, dass der Alkoholkonsum unter Jugendlichen seit den frühen 2000er-Jahren deutlich zurückgeht und gleichzeitig die Zahl jener steigt, die ganz auf Alkohol verzichten. Hier sprechen wir nicht von ein paar Prozent, sondern von massiven Verschiebungen. Manche Studien wollen einen Rückgang der alkoholkonsumierenden Jugendlichen um bis zu 50 Prozent festgestellt haben. Österreich folgt damit einem internationalen Trend, der als „Youth Drinking in Decline“ beschrieben wird. Laut Daten von YouGov lebt in Teilen Europas bereits nahezu jede zweite Person unter 30 alkoholfrei oder stark reduziert. Die Generation Z tritt später in den Konsum ein, trinkt seltener und entkoppelt Alkohol zunehmend von sozialer Zugehörigkeit. Wein ist damit nicht mehr selbstverständlich Teil des Erwachsenwerdens.
Alkoholfreie Alternativen
Ein weiterer struktureller Faktor ist die wachsende Konkurrenz durch alkoholfreie Alternativen. Der Markt für „Low & No Alcohol“ entwickelt sich dynamisch: Branchenanalysen prognostizieren hier Wachstumsraten von über 30 Prozent bis 2029. Was früher als Verzicht galt, ist heute ein eigenständiges Lifestyle-Segment. Alkoholfreie Biere, Mocktails oder entalkoholisierte Weine sprechen nicht nur abstinente Konsumenten an, sondern auch jene, die situativ auf Alkohol verzichten wollen. Damit entsteht erstmals eine ernsthafte Konkurrenz nicht innerhalb der Alkoholkategorien, sondern gegenüber dem Konsum selbst.
Das wiederum kommt paradoxerweise den Winzern gar nicht ungelegen. Denn auch für unvergorenen Traubensaft braucht man Trauben – und davon haben sie reichlich. Vergangenes Jahr fuhr man wieder eine Rekordernte ein, 18 Prozent über dem Fünfjahresschnitt, 244.700 Hektoliter ganz konkret. Nach einer eher kleinen Ernte 2024 mit 159.000 Hektolitern ist das eine gute Grundlage, um sowohl den klassischen Weinmarkt als auch jenen für alkoholfreie Alternativen ausreichend beliefern zu können.
Zu früh für Schwanengesang
Es ist also zu früh für einen Schwanengesang auf die heimischen Weinbauern. Trotz aller Veränderungen und Probleme können die Steirer mit Masse und Klasse punkten, was sich mittelfristig bezahlt machen wird. Der steirischer Wein wappnet sich gegen die Absatzkrise „Es ist eine Frage der Positionierung und des Marketings“, bestätigt Wein-Steiermark-Obmann Stefan Potzinger, der diesbezüglich die Hausaufgaben erledigt sieht. „Wir haben nicht die Sorge, dass wir auf unserer Ernte sitzen bleiben – der weltweite Rückgang des Absatzes betrifft uns kaum.“
Dass er damit nicht ganz unrecht haben dürfte, beweisen die zahlreichen, gut besuchten Events rund um den steirischen Wein, wie jüngst die Jahrgangspräsentation. Wo in den 1980er- und 1990er-Jahren Jugendliche eine ganze Messehalle beim traditionellen Tscheppe-Fest füllten, ist es heuer die Grazer Stadthalle, in der 127 Weinbauern persönlich vor Ort einem Publikum, das Qualität auch beim Wein zu schätzen weiß, ihre Kunst vorstellen.
Das Potenzial, das sich durch diese Qualität erschließt, ist groß. Indien etwa, ein Riesenmarkt, der steirische Weine gerade zu schätzen lernt. Oder die USA, die trotz vorübergehender Einfuhrbeschränkungen an der im Vergleich zu Frankreich leistbaren österreichischen Qualität höchst interessiert sind.