
Wer derzeit in Immobilien investieren will, braucht starke Nerven. Denn Bauen bleibt teuer und wird, obwohl der massive Preisschock der letzten Jahre überwunden scheint, in absehbarer Zeit nicht mehr günstiger. Daher darf niemand, der ernsthaft an ein Eigenheim denkt, auf Wunderpreise warten, sondern sollte Finanzierungsmöglichkeiten, Prioritäten und Schmerzgrenzen nüchtern durchrechnen.
Der österreichische Hochbau kommt aus einer harten Phase. Hohe Zinsen, gestiegene Baukosten, immer strengere Kreditregeln und vorsichtige Banken haben viele Projekte gebremst. Häuslbauer mussten ihre Pläne verschieben, und Bauträger, die die Ausdünnung überlebt haben, mussten Neubauten auf Eis legen. Die Folge ist klar: Es wurde und wird weniger gebaut. Und was heute nicht gebaut wird, fehlt morgen am Markt.
Weniger Neubau, mehr Preisdruck
Genau darin liegt die Spannung. Für Wohnungssuchende ist diese Entwicklung unangenehm, für Eigentümer und Investoren aber durchaus interessant. Wenn weniger neue Wohnungen entstehen, während die Nachfrage in Städten und Ballungsräumen hoch bleibt, steigt der Druck auf Mieten und Preise. Der Markt ist also noch nicht gesund, aber er beginnt sich wieder zu bewegen.
Für Häuslbauer zählt vor allem Planbarkeit. Die Baukosten sind weiterhin hoch, vor allem wegen gestiegener Löhne und teurerer Materialien. Ein Zurück auf das frühere Preisniveau ist nicht zu erwarten. Allerdings haben sich manche Rohstoffpreise stabilisiert, und einige Baufirmen bieten wieder Fixpreise an. Das hilft, weil Bauherren weniger Angst davor haben müssen, dass ihr Projekt unterwegs finanziell aus dem Ruder läuft.
Auch bei der Finanzierung gibt es vorsichtige Entspannung. Die strengen Kreditregeln der KIM-Verordnung sind zwar formal ausgelaufen, die Banken sind von der FMA aber dazu angehalten, vorsichtig zu bleiben. Wer heute bauen oder kaufen will, braucht daher solide Eigenmittel, ein verlässliches Einkommen und eine saubere Kalkulation. Das ist bitter, verhindert aber auch, dass sich Käufer übernehmen.
Der Bestand wird zur Chance
Interessant wird deshalb der Blick auf Alternativen zum klassischen Neubau. Sanieren, umbauen, aufstocken oder ein Dachgeschoß ausbauen wird wichtiger. Wer ein Elternhaus erweitern kann, spart sich den teuren Grundstückskauf. Wer ein älteres Haus thermisch saniert, kann Wohnqualität schaffen, ohne komplett neu zu bauen. Auch kompaktere Häuser und kleinere Wohnformen gewinnen an Bedeutung. Nicht jeder Traum vom Eigenheim braucht 160 Quadratmeter und eine Doppelgarage.
Für Anleger bleibt der Wohnbau spannend und selektiver als früher. Eine durchschnittliche Wohnung an einem schwachen Standort wird nicht automatisch zum guten Investment. In wachsenden Regionen kann die geringe Neubautätigkeit aber mittelfristig für steigende Mieten und bessere Renditen sorgen.
Der Hochbau ist noch lange nicht zurück im Boom. Aber die Talsohle scheint näher als der nächste Absturz. Wer jetzt kaufen, bauen oder investieren will, sollte auf gute Planung setzen. Immobilien bleiben teuer. Aber sie werden wieder berechenbarer. Und in einem Markt, in dem zu wenig gebaut wird, kann Berechenbarkeit schon der Anfang der nächsten Chance sein.