Österreichs Start-up-Szene liefert immer wieder spektakuläre Exits, doch vielen Jungunternehmen fehlt das Kapital für den nächsten Wachstumsschritt. Zwischen Tractive-Milliardendeal, Finanzierungsflaute und großen Hoffnungen auf einen neuen Dachfonds zeigt sich ein Standort mit starken Ideen – aber zu wenig Risikokapital für internationale Erfolge.
Auf der einen Seite sehen wir bei Start-ups Mega-Exits wie den von Tractive. Auf der anderen jammern Start-ups, dass es ihnen an der Finanzierung fehlt. Die gute Nachricht ist, dass sich etwas tut. Immer noch und immer wieder – die heimischen Jungunternehmer sind nach wie vor mit Feuer und Flamme dabei, gute Ideen in Produkte zu verwandeln. Beflügelt werden sie – das ist eine Besonderheit von Start-ups – nicht von langfristiger unternehmerischer Perspektive. Nein, es sind die Exits, die die Phantasie der CEOs von Start-ups beflügeln, also Unternehmensübernahmen mit Millionen Euros als Kaufpreis. Dafür ist man bereit, viel zu riskieren und viel zu arbeiten, oft bis zur Selbstausbeutung und mit erheblichem finanziellen und persönlichen Risiko.
Tractive-Exit beflügelt die Fantasie
Start-ups erzählen ihre Geschichte gerne vom Anfang. Dabei geht es um Ideen, Mut und Gründergeist. Interessanter ist jedoch oft das Ende. Dann zeigt sich, ob aus einer Idee tatsächlich ein Unternehmen geworden ist. Ebenso zeigt sich, wer am Ende davon profitiert. Der Verkauf von Tractive an den italienischen App-Konzern Bending Spoons ist mehr als eine Erfolgsmeldung. Das oberösterreichische Unternehmen ist längst vom Start-up zum wachstumsorientierten Scale-up geworden. Die Übernahme zeigt, dass Österreich international begehrte Technologieunternehmen hervorbringen kann. Diese Erkenntnis widerspricht der verbreiteten Skepsis gegenüber dem heimischen Standort. Allerdings werden solche Unternehmen häufig verkauft. Nur selten werden sie von Österreich aus zu globalen Konzernen weiterentwickelt. Das liegt an der Standortqualität, am Durchhaltevermögen und an der Vorstellungskraft der Gründer.
Mit Haustiertracking zum Milliardär
Tractive verdient einen genaueren Blick. Medien berichten von einem Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Euro. Das Unternehmen beschäftigt sich mit dem Tracking von Haustieren. Die Idee wirkt zunächst einfach, löst aber ein weltweites Problem. Haustierbesitzer wollen wissen, wo sich ihr Tier befindet. Sie möchten außerdem wissen, wie es ihrem Liebling geht. Seit 13 Jahren produziert Tractive kompakte und wasserdichte GPS-Tracker für Hunde und Katzen. Dazu kommen intelligente Aktivitätstracker. Über Mobilfunk und eine App können Besitzer ihr Tier weltweit in Echtzeit orten. Sie können auch Schlafgewohnheiten und Gesundheitsdaten überwachen. Was im oberösterreichischen Pasching begann, entwickelte sich rasch zu einem internationalen Unternehmen. Tractive zählt inzwischen 1,7 Millionen zahlende Kunden. Der weltweite Umsatz liegt bei mehr als 200 Millionen Euro. Rund 280 Menschen arbeiten für das Unternehmen.
Aber auch das Geschäftsmodell hat sich geschickt verändert. Nicht mehr die bloße Ortung steht im Mittelpunkt. Heute gewinnen die Gesundheitsdaten der Tiere stark an Bedeutung. Die Tracker erfassen diese Daten und führen sie zusammen. Dadurch entsteht eine internationale Datenbank mit wertvollem statistischem Material. Das macht Tractive für mehrere Branchen interessant. Neben Haustierbesitzern interessieren sich auch Versicherungen und Unternehmen der Tiergesundheit für diese Informationen. Tractive verfolgte zudem selbst eine gezielte Übernahmestrategie. Erst vor Kurzem kaufte das Unternehmen einen nordamerikanischen Anbieter. Dadurch ist Tractive auf wichtigen Märkten präsent. Zugleich wurde es selbst zu einem attraktiven Übernahmekandidaten.
Scheitern ist Programm
Erfolgreiche Exits wie jener von Tractive zeigen, dass Gründer, Investoren und Förderstellen vieles richtig gemacht haben. Sie verdecken aber auch die enormen Schwierigkeiten vieler Jungunternehmen. Diese Probleme verschwinden in den zahlreichen Jubelmeldungen häufig. Es fehlt an Wachstumskapital und an Möglichkeiten zur Internationalisierung. Oft mangelt es auch an Erfahrung für die nächste Entwicklungsstufe. Aus einem hoffnungsvollen Jungunternehmen muss schließlich ein dauerhafter Arbeitgeber und Technologieführer werden. Dieser Schritt gelingt nur wenigen. Scheitern gehört deshalb zur Kultur der Start-up-Szene. Viele Beteiligte betrachten es als normalen Teil des Geschäfts. Nach verbreiteten Schätzungen überleben 80 von 100 Neugründungen die ersten drei Jahre nicht. Manche Unternehmen scheitern so spektakulär, dass ihre Geschichten verfilmt werden.
Eines der bekanntesten Beispiele ist WeWork. Das Unternehmen galt zeitweise als wertvollstes Start-up der Welt. Am Ende soll es rund 47 Milliarden Dollar vernichtet haben. Im Zentrum der Geschichte steht Adam Neumann. Er gründete WeWork 2010 gemeinsam mit Miguel McKelvey. Die Idee entstand aus einer pragmatischen Notlösung. Neumann vermietete leer stehende Büros seines gescheiterten Unternehmens weiter. Daraus entwickelte er mehr als ein gewöhnliches Immobilienmodell. WeWork verkaufte nicht nur Arbeitsplätze, sondern ein Lebensgefühl. Weniger Arbeit und mehr Gemeinschaft lautete das Versprechen. Zusammenarbeit und Zugehörigkeit wurden zu wesentlichen Teilen des Geschäftsmodells. In den 2010er-Jahren traf diese Erzählung den Nerv der Zeit.
WeWork als warnendes Beispiel
Der Hype ließ nicht lange auf sich warten. Investoren steckten Milliarden in das Unternehmen. Besonders großzügig zeigte sich Masayoshi Son vom japanischen Technologiekonzern Softbank. WeWork expandierte in atemberaubendem Tempo. Das Unternehmen beschäftigte zeitweise 12.000 Menschen. Es betrieb Standorte in mehr als 100 Städten. Rund eine halbe Million Menschen nutzte die angebotenen Arbeitsplätze. Neumann selbst profitierte großzügig vom Aufstieg. Die opulenten Firmenfeiern wurden ebenso legendär wie seine Reisen im Privatjet. Er hielt persönlich die Rechte an der Marke „We“. Später stellte er deren Nutzung seinem eigenen Unternehmen in Rechnung.
Beim geplanten Börsengang im Jahr 2019 zerfiel die Erfolgserzählung. Plötzlich rückten die wirtschaftlichen Probleme in den Mittelpunkt. Investoren erkannten ein zweifelhaftes Geschäftsmodell, enorme Verluste und massive Probleme bei der Unternehmensführung. Neumann musste zurücktreten. Der geplante Börsengang wurde abgesagt. Im Jahr 2023 meldete WeWork schließlich Insolvenz an. Die Gläubiger übernahmen daraufhin die Kontrolle. Sie stellten weitere 450 Millionen Dollar bereit. Damit sollte aus den Trümmern wieder ein tragfähiges Unternehmen entstehen.
Es fehlt an Kapital
Österreichische Start-ups kommen meist gar nicht in solche Dimensionen. Viele scheitern deutlich früher an der Finanzierung. Das zentrale Problem sind nicht die fehlenden Ideen. Vielmehr mangelt es an einem ausreichend tiefen Kapitalmarkt. Laut EY erreichte die heimische Start-up-Finanzierung 2025 einen neuen Tiefpunkt. Insgesamt flossen nur 253 Millionen Euro Risikokapital. Das waren 56 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich handelte es sich um den vierten Rückgang in Folge. Die Zahl der Finanzierungsrunden blieb mit 148 Abschlüssen weitgehend stabil. Die durchschnittliche Summe sank jedoch auf 2,3 Millionen Euro. EY sieht darin kein völliges Austrocknen des Marktes. Das Problem liegt vielmehr in der Größe der verfügbaren Finanzierungen. Für Skalierung und internationales Wachstum fehlt ausreichend Kapital. Keine einzige Wachstumsrunde überschritt 50 Millionen Euro. Zwischen 2023 und 2025 gab es zudem keine Megarunde über 100 Millionen Euro.
Deutlich mehr Investitionen
Die Finanzierungsschwäche betrifft nicht nur junge Unternehmen. Sie zieht sich durch den gesamten Wachstumszyklus. Laut EY blieben auch die Finanzierungen in der frühesten Phase niedrig. Im ersten Halbjahr 2025 gab es zwölf Frühphaseninvestitionen. Gleichzeitig stößt das österreichische Ökosystem in der Series-A-Phase an Grenzen. Heimische Investoren beteiligen sich zwar an solchen Runden. Häufig können sie aber nicht die erforderlichen Summen bereitstellen. Gerade für die internationale Skalierung wären wesentlich größere Volumina notwendig. Der starke Jahresbeginn 2026 relativiert das negative Bild nur teilweise. Das Investitionsvolumen von 2025 wurde rasch übertroffen. Dazu trug ein Investment von 100 Millionen Euro in Gropyus wesentlich bei. Weitere größere Finanzierungen gingen an Aviloo, Enpulsion und nyra health. Auch mehrere KI- und Deep-Tech-Unternehmen erhielten Kapital. EY betrachtet die Erholung dennoch mit Vorsicht. Sie wird bisher von wenigen großen Abschlüssen getragen.
Herausforderung Finanzierungsarchitektur
Der Befund verweist auf ein grundsätzliches Standortproblem. Kapital ist laut EY vorhanden und grundsätzlich mobilisierbar. Investoren setzen es jedoch wesentlich selektiver ein. Dafür gibt es mehrere Gründe. Höhere Zinsen und geopolitische Unsicherheiten bremsen neue Investitionen. Bestehende Beteiligungen benötigen zudem häufig weiteres Kapital. Auch fehlende steuerliche Anreize erschweren den Markt. Hinzu kommen regulatorische Unsicherheiten und komplizierte Förderstrukturen. Besonders stark wirken sich diese Hindernisse in wachstumsintensiven Phasen aus. EY schlägt deshalb einen Beteiligungsfreibetrag für private Investoren vor. Auch eine bessere Verlustverrechnung könnte Investitionen erleichtern.
Ein professionell verwalteter Dachfonds könnte zusätzlich privates Kapital mobilisieren. Spin-offs sollten ebenfalls systematischer mit Kapital ausgestattet werden. Österreich muss daher nicht nur mehr Unternehmen hervorbringen. Es muss auch leistungsfähige Finanzierungsstrukturen entwickeln. Nur dann können innovative Gründungen zu international wettbewerbsfähigen Scale-ups werden.
Standortvorteile gleichen die Finanzierungslücke nur teilweise aus
Für die Steiermark ist diese Einschätzung besonders interessant. Das Bundesland ist weder ein zweites Wien noch Europas lautester Start-up-Standort. Neben öffentlichen Fördergebern wie SFG und FFG ist die Suche nach Investoren schwierig. Das gilt besonders für privates Wachstumskapital. Die Steiermark verfügt allerdings über andere wichtige Stärken. Dazu gehören Industrie, Forschung und technische Universitäten. Auch Green Tech, Medtech und Mikroelektronik spielen eine bedeutende Rolle. Hinzu kommt eine gewachsene Kultur angewandter Innovation. Österreichs nächste großen Erfolge könnten aus Deep Tech und industrieller künstlicher Intelligenz entstehen. Auch Klima, Energie und moderne Produktion bieten große Chancen. In diesen Bereichen kann die Steiermark international mitspielen.
Regionalbanken als Vermittler
Auch steirische Start-ups spüren die Finanzierungslücke. Das gilt trotz der grundsätzlich ausgezeichneten Rahmenbedingungen. „Technologieorientierte Start-ups in der Steiermark sind stark innovations- und forschungsgetrieben“, erklärt Dagmar Eigner-Stengg. Sie leitet den Bereich Förderservice und Außenhandel bei der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG. Besonders sichtbar seien der Fokus auf Deep Tech und die steigende Zahl universitärer Ausgründungen. Auch die Internationalisierung nehme zu. Die Frühphase sei durch Förderungen vergleichsweise gut finanziert. In der Scale-up-Phase fehle dagegen häufig privates Kapital.
Österreich verfüge über eine hervorragende Forschungsbasis und eine gut ausgebaute Förderlandschaft. In den Wachstumsphasen fehle jedoch ausreichend Venture Capital. Das erschwere vielen Unternehmen die notwendige Skalierung. Eigner-Stengg fordert deshalb attraktivere steuerliche Anreize. Auch Co-Investment-Modelle sollten stärker ausgebaut werden. Beide Maßnahmen könnten das Risiko privater Investoren reduzieren. Dadurch würden Beteiligungen an Start-ups deutlich attraktiver. Regionale Banken übernehmen eine wichtige Vermittlerrolle zwischen öffentlicher Förderung und privatem Kapital. Sie begleiten Finanzierungen als Risikopartner. Darüber hinaus unterstützen sie Start-ups mit Beratung und wichtigen Netzwerken.
Kapitalmarkt nicht schlagkräftig genug
Ähnlich argumentiert die BKS Bank in einem Interview mit dem Online-Wirtschaftsmagazin M.U.T. Österreich bringe starke Technologien und talentierte Teams hervor. Die eigentliche Hürde beginne jedoch beim Skalieren. „In der Frühphase funktioniert die Unterstützung mittlerweile gut“, erklärt BKS-Vorstand Dietmar Böckmann. In der Wachstumsphase fehle jedoch häufig ausreichend Kapital für größere Finanzierungsrunden. Dieses Kapital werde für Internationalisierung und Marktdurchbruch benötigt. Gleichzeitig liege viel privates Vermögen auf Spar- und Girokonten. Es fließe kaum in Beteiligungsfonds und Wachstumsfonds. Das schwäche den Eigenkapitalstock heimischer Technologieunternehmen. Zugleich werde dadurch der Zugang zu weiterem Fremdkapital erschwert. Die österreichische Förderlandschaft sei wertvoll. Sie müsse jedoch stärker auf spätere Finanzierungsphasen ausgerichtet werden.
Auch nahtlose Anschlussfinanzierungen seien notwendig. Zusätzlich sei der heimische Kapitalmarkt noch zu wenig entwickelt. Es gebe nur wenige große Exits. Auch die Perspektive für Börsengänge sei begrenzt. Das drücke die Bewertungen und schrecke internationales Wachstumskapital ab. Zusätzliche Belastungen wie eine verlängerte Bankenabgabe entzögen dem Markt weitere Liquidität. Böckmann schlägt deshalb eine gezielte Korrektur vor. Finanzierungen für Klima- und Energiewende könnten von der Bemessungsgrundlage ausgenommen werden. Österreich brauche mehr heimisches Wachstumskapital. Ebenso notwendig seien einfachere Wege zu größeren Finanzierungsrunden. Auch der Kapitalmarkt müsse schlagkräftiger werden. Dann könnten aus guten Ideen schneller internationale Unternehmen entstehen.
Wertschöpfungsfaktor Start-ups
Start-ups haben eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung. Die Studie „Wertschöpfung von Start-ups in Österreich“ untersuchte diese Wirkung bereits im Jahr 2022. Sie stammt von Nikolaus Graf, Ludwig Strohner und Monika Köppl-Turyna. Die Autoren beschreiben innovative Jungunternehmen als wichtigen Hebel für die wirtschaftliche Entwicklung. Start-ups erweitern die technologische Basis eines Landes. Sie erhöhen den Wettbewerb und können das gesamtwirtschaftliche Wachstumspotenzial steigern. Gerade ihr Wachstumspotenzial macht sie für die Innovationskraft einer Volkswirtschaft besonders wichtig. Für Österreich stellt die Studie deutliche Aufholpotenziale fest. Das Land liegt im europäischen Vergleich lediglich im Mittelfeld. Verglichen mit anderen Staaten gibt es relativ wenige Start-ups und Scale-ups. In Österreich sind 687 Start-ups und Scale-ups je Million Einwohner registriert. In den Niederlanden sind es 2.400. Das Vereinigte Königreich kommt auf 1.811 Unternehmen je Million Einwohner.
Auch beim Risikokapital und bei den Exit-Werten liegt Österreich weit zurück. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt zählt es zu Europas Schlusslichtern. Das Problem betrifft daher nicht nur einzelne Finanzierungsrunden. Es ist eine strukturelle Frage der Standortqualität. Die Studie berechnet auch die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen einer stärkeren Gründungsdynamik. Würde Österreich das britische Gründungsniveau erreichen, wären die Investitionen nach zehn Jahren um 0,8 Prozent höher. Zugleich könnten mehr als 8.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das Bruttoinlandsprodukt könnte um 3,8 Milliarden Euro steigen. Nach 20 Jahren wären die Effekte noch größer. Die Investitionen könnten um 1,6 Prozent steigen. Die Beschäftigung könnte um 17.300 Personen wachsen. Das Bruttoinlandsprodukt läge um 7,8 Milliarden Euro über dem Basisszenario. Beim niederländischen Gründungsniveau wären die Auswirkungen noch stärker. Nach 20 Jahren könnten die Investitionen um 2,5 Prozent höher liegen. Zudem könnten 26.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Brutales Venture-Geschäft
Start-ups sind kein dekoratives Anhängsel der Wirtschaftspolitik. Sie können zu einem bedeutenden Motor für Produktivität und Innovation werden. Deshalb ist die Finanzierungslücke so problematisch. Sie verhindert Unternehmenskarrieren und bremst mögliche Wertschöpfung. Wer über Start-ups spricht, muss daher auch über dauerhaftes Wachstum sprechen. Österreich braucht nicht nur mehr Geld für innovative Unternehmen. Es benötigt auch eine reifere Venture-Capital-Kultur. Oliver Holle ist Mitgründer, Geschäftsführer und Managing Partner von Speedinvest. In einem Beitrag des Fachmagazins „brutkasten“ beschreibt er eine zunehmend härtere Branche. Künstliche Intelligenz, internationale Megarunden und neue Exit-Fantasien verschärfen den Wettbewerb. Das Venture-Geschäft werde „brutaler und härter und natürlich auch viel, viel kompetitiver“, erklärt Holle.
Die Hauptaufgabe bestehe heute nicht mehr nur darin, Unternehmen auszusieben. Vielmehr gehe es darum, überhaupt an den besten Finanzierungsrunden teilnehmen zu können. Darin zeigt sich eine typisch österreichische Schwäche. Die besten Unternehmen suchen sich ihre Geldgeber längst auf dem internationalen Markt aus. Heimische Fonds müssen erst die notwendige Größe und Geschwindigkeit erreichen. Auch ihre internationale Anschlussfähigkeit muss deutlich steigen. Nur dann können sie bei den attraktivsten Finanzierungsrunden eine bedeutende Rolle spielen.
Hoffnungsträger: ein geplanter Dachfonds
Große Hoffnungen setzt die Gründer-Szene auch in den geplanten Startup-Dachfonds der Bundesregierung. Dieser folgt dem erfolgreichen „Fund-of-Funds“-Ansatz. Mit einem staatlichen Ankerinvestment sollen laut WKO institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken aktiviert werden. Die Investitionen erfolgen indirekt über VC-Fonds, die ihr Kapital wiederum in junge, innovative Unternehmen lenken. Laut aktueller EcoAustria-Studie können mit einem staatlichen Beitrag von 100 Millionen Euro rund 1 Milliarde Euro an Wertschöpfung ausgelöst werden. Bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze, höhere Löhne und ein langfristig positiver Effekt auf den Staatshaushalt sind damit verbunden.
Speedinvest-Gründer Holle sieht den geplanten österreichischen Dachfonds zwar als sinnvolle Maßnahme, warnt aber zugleich, dass dessen Wirkung auf Anschlussfinanzierungen erst in einigen Jahren spürbar werde. Kurzfristig entscheidender ist für ihn der internationale Exit- und IPO-Zyklus: Börsengänge großer KI- und Technologieunternehmen könnten Kapital an institutionelle Investoren zurückspielen und damit neue Investitionen ermöglichen. „Wir brauchen Exits, die uns nicht fünfmal oder zehnmal, sondern hundertmal das Kapital zurückspielen, sonst funktioniert Venture nicht“, sagt Holle. Für Österreich heißt das, eine funktionierende VC-Kultur entsteht nicht durch Förderprogramme allein, sondern durch große Exits, professionelle Fonds, mehr privates und institutionelles Risikokapital und den Mut, Kapital dorthin zu lenken, wo aus einzelnen Start-ups tatsächlich internationale Technologieunternehmen werden können.