und durch neutrale Begriffe zu ersetzen. Im Detail stellte sich bald heraus, dass es keine Aussendung der WKO war, sondern bloß eine interne Diskussion der Gastgewerbeinnung. Diskriminierung gerade auch durch die Sprache darf und soll immer wieder aufgezeigt werden. Ich hege nur die Befürchtung, dass diesem grundsätzlich wichtigen Anliegen von Institutionen wie SOS-Mitmensch, wenn sie mit einer »Verbotsforderung« für den »Mohr im Hemd« einhergehen, ein Bärendienst erwiesen wird. Wenn die vereinigte österreichische Linke, in ihrer einfach gestrickten Welt, einen Besuch des WKR-Balls mit dem Bekenntnis zum Nazitum gleichsetzt, dann lässt sich das noch irgendwie aushalten. Einen »Mohr im Hemd« zu bestellen (bzw. ihn als Gastwirt anzubieten) aber als »rassistisch« zu diffamieren, ist nicht mehr zu ertragen.
Und da geht es nicht darum, was irgendwelche Sprachwissenschaftlerinnen dazu beigesteuert haben. (Für die herrlich vom Herrn und dämlich von der Dame kommt. Herrlich dämlich!) Wissenschaftlich lässt sich alles beweisen. Und das genaue Gegenteil davon. Wobei ich ja gar nicht in Abrede stelle, dass es einen Unterschied zwischen Frankfurtern und Negerbrot geben mag, in der Herkunft ihrer Bezeichnung. In ihrer Verwendung sind die beiden Begriffe heute aber jedenfalls ident: Sie bezeichnen eine Speise und mehr nicht. Wir können es nur dem allgemeinen Sprachgebrauch überlassen, dass manche Begriffe langsam aus der Mode kommen, vergessen, nicht mehr verwendet werden. Wahrscheinlich ist das – etwa beim Negerbrot – ein wünschenswerter Zustand.
Es ist aber schade, dass etwa ich, der ich Buchteln mit Vanillesauce viel, viel lieber habe, dann aus meinem ureigensten Stolz heraus, beleidigt zu sein, wenn mir jemand unterstellt, rassistisch zu sein, die nächsten fünf Jahre wieder »Mohr im Hemd« bestellen muss. Und, sollte es »verboten« werden, auch am Schwarzmarkt ein Negerbrot kaufen würde. Aus Prinzip. Aus einem vielleicht dummen Prinzip heraus, aber aus Prinzip. Es darf nicht darum gehen, dass eine der beiden Seiten »recht« bekommt. Es muss darum gehen, dass Rassismus immer und überall zurückgedrängt wird. Verunmöglicht wird. Mit solchen Verbotsanliegen perpetuieren wir ihn. Da sind viele Österreicher schon weiter.
Editorial, Fazit 81 (April 2012)